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Viadukt – Startseite

Erinnerung und Gedenken – oder wie die Zerstörung der Stolpersteine keine Erinnerung auslöschen kann

Am Hirtenhaus 4 – mitten in unserem Stadtteil, auf dem Weg zur Erholung am Auensee – liegen zwei Stolpersteine. Sie erinnern an den letzten frei gewählten Wohnort von Max und Mary Lesser. Lesen kann man das inzwischen nicht mehr: Erst wurden die Steine zum Jahreswechsel 2024/2025 mutwillig beschädigt, nun – rund um den Jahrestag der Novemberpogrome – vollständig zerstört. Doch auch wenn die Schrift unleserlich, die Oberfläche zertrümmert und die Steine entstellt wurden: Die Erinnerung an Max und Mary Lesser bleibt. Sie bleibt, weil Menschen in unserem Stadtteil dafür einstehen. „Wir erinnern und gedenken trotzdem!“ – mit diesem entschlossenen Satz rief ein Bürger zu einer Gedenkaktion auf. Und tatsächlich: Es ging nicht allein um Stille oder Trauer, sondern um ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung, gegen die Verachtung von Menschenleben und gegen den scheinbar nie endenden Antisemitismus.

Wer waren Max und Mary Lesser?

„An Menschen kann man nur erinnern, wenn man ihr Leben kennt“ – so formulierte es der Initiator der Gedenkaktion. Max Lesser wurde 1878 bei Posen geboren und entstammte einer angesehenen Unternehmerfamilie. Er heiratete 1908 Wally Honig, die Familie bekam drei Söhne. Nach wirtschaftlichen Verlusten und einer Scheidung zog Max nach Leipzig, wo er Mary kennenlernte. Mary arbeitete im Textilhandel, sie heirateten 1931 und lebten zuletzt gemeinsam im „Schußheim’schen Altersheim“ hier in Wahren. Vieles über ihr Leben im Alltag ist verloren – aber sie waren ein Paar, sie liebten, arbeiteten, lebten – mitten unter Menschen, in dieser Stadt, in unserem Stadtteil. Am 14. November 1938 wurde Max nach der Pogromnacht verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht. Er wurde nur freigelassen, weil er aufgefordert wurde, Deutschland zu verlassen – eine Flucht, die trotz aller Bemühungen seines Sohnes Reinhard nie möglich wurde. Danach folgte die finanzielle Ausplünderung: erst Vermögensabgaben, dann Enteignung. Am 21. Januar 1942 wurden Max und Mary ins Ghetto Riga deportiert – bei Temperaturen von –30°C, in ein überfülltes Lager, in dem Hunger, Gewalt und Tod allgegenwärtig waren. Im März 1942 wurden tausende Menschen unter dem Vorwand von Arbeitstransporten nach Dünaburg erschossen – darunter auch Max und Mary. Er war 63, sie 49 Jahre alt.

Warum die zerstörten Steine uns alle etwas angehen

Die Stolpersteine erinnern an Max und Mary Lesser. Und sie erinnern weiterhin – auch jetzt, nach ihrer Zerstörung. Die Täter haben keine Gedenksteine beschädigt, sondern eine Botschaft hinterlassen: „Diese Menschen sollen vergessen werden.“ Gerade deshalb dürfen wir nicht vergessen. Denn es beginnt leise: mit Wegschauen, einem Schulterzucken, dem Gedanken „Das betrifft mich nicht.“ Doch wir sind diese Stadt – wir sind Leipzig. Wir sind die Gesellschaft. Und wir alle tragen Verantwortung dafür, unsere Nachbar:innen, Freund:innen und Familien in ihrer
Menschenwürde und Freiheit zu schützen. Nur wenn wir gemeinsam aufmerksam bleiben, wenn wir nicht hinnehmen, dass Erinnerung diffamiert oder zerstört wird, kann das oft zitierte „Nie wieder!“ mehr sein als eine Formel. Es kann ein echtes, gelebtes, dauerhaftes „Nie wieder!“ werden.

Erinnerung lebt durch Menschen

Der Kontakt zu den Nachfahren der Familie Lesser bestärkt uns: Die Steine werden erneuert. Und wir werden gemeinsam dafür sorgen, dass sie bleiben – dass die Erinnerung an das Schlimmste, was Menschen anderen Menschen angetan haben, nicht vergeht. Der Sportjournalist Marcel Reif sagte: „Sei a Mensch.“ Es ist ein Satz, der kein Gedenken verlangt, sondern Haltung. Seid euch eurer Menschlichkeit bewusst – in Worten und in Taten.

Dr. M. Helbig, 2025


Bürgerverein verurteilt Angriff auf Stolpersteine

In der Nacht zum 9. November wurden die beiden Stolpersteine am Hirtenhaus 4 in Wahren, welche an Max und Mary Lesser erinnern, mutwillig zerstört. Die Steine wurden in Gedenken an das Ehepaar Lesser verlegt und erinnern an ihr Leben sowie ihre Ermordung durch die Nationalsozialisten. Der gesamte Vorstand des Bürgervereins Möckern-Wahren e. V. verurteilt diese Tat aufs Schärfste und hofft auf polizeiliche Aufklärung. Der Vorsitzende des Bürgervereins, Rick Ulbricht, erklärte hierzu: „Die Steine erinnern an diese Menschen, genau dort, wo sie lebten und wo sie ein Teil unserer Gesellschaft waren, bevor sie Hass und Mord zum Opfer fielen. Ein Angriff auf diese Steine ist ein Angriff auf unsere Grundwerte und unser gesellschaftliches Miteinander. Diese Tat betrifft uns alle.“ Der Bürgerverein Möckern-Wahren setzt sich entschieden für ihre Wiederherstellung ein, denn sie stehen symbolisch für die notwendige Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und den respektvollen Umgang mit den Opfern. In Leipzig gibt es knapp 850 Stolpersteine, die die AG Stolpersteine in Leipzig gemeinsam mit zahlreichen Partnern bisher verlegt hat. Jeder kann die Arbeit durch Spenden unterstützen oder an der jährlichen Putzaktion zum 9. November teilnehmen.

Rick Ulbricht

Sportbegeisterte gesucht – Volleyball-Trainer/in und Trainingsräume für Cheerleader

Unser Verein braucht Verstärkung und Unterstützung!

Trainer oder Trainerin für Volleyball Für unsere gemischte Volleyballgruppe suchen wir ab sofort einen engagierten Trainer*in. Wir trainieren montags von 20:15 bis 21:45 Uhr in der Turnhalle der Grundschule Wahren. Eine Übungsleiter-C-Lizenz kann über uns erworben werden –ideal für alle, die ihre Leidenschaft für Volleyball weitergeben möchten.

Dringend: Trainingshalle für Cheerleader

Über 100 Cheerleader stehen derzeit ohne feste Trainingsmöglichkeit da, weil unsere Turnhalle weiterhin gesperrt ist. Besonders jetzt in der kalten Jahreszeit sind wir dringend auf eine Ausweichhalle angewiesen. Wer uns hier unterstützen kann, meldet sich bitte bei uns!

Tänzerinnen ab 16 Jahren willkommen

Unser Dance-Cheerleader-Team hat außerdem noch freie Plätze. Ob bei Spielen der Leipzig Hawks oder bei spannenden Ringer-Veranstaltungen – wer Lust auf mitreißende Auftritte hat, ist herzlich eingeladen.

Neues aus der Bibliothek „Erich Loest“

Sehr geehrte Leserinnen und Leser des Viadukt,

an drei Donnerstagen im November verwandelt sich der Veranstaltungsraum der Bibliothek Gohlis wieder in einen gemütlichen Kinosaal. Am 13. November, 16:30 Uhr starten wir unsere Filmreihe auf vielfachen Wunsch mit dem Janosch-Klassiker „Komm, wir finden einen Schatz“, in dem sich Tiger und Bär auf Schatzsuche begeben. Gemeinsam mit dem Hasen Jochen Gummibär starten sie in ein aufregendes und gleichzeitig einfühlsames Abenteuer. (Altersempfehlung ab 5 Jahren)

Weiter geht es dann am 20. November mit dem Animationsfilm „Pixies – Kleine Elfen, große Abenteuer“. Der etwas tollpatschige Joe verpasst die Müllabfuhr und entsorgt seinen Müll daher rücksichtslos im Wald. Jedoch zerstört er dabei das Reich der Pixies und verletzt ihren Prinzen. Dieser spricht daraufhin einen Fluch aus, der sofort Wirkung zeigt: Joe wird eindeutig vom Pech verfolgt, und auch seine Beziehung zu Michelle gerät aus den Fugen. Die Pixies zeigen jedoch Reue und schwören sich, Joe dabei zu helfen, sein Leben wieder in den Griff zu kriegen. Der Film startet 16:30 Uhr. (Altersempfehlung ab 7 Jahren)

Mit „Der Fall Mäuserich“ endet unsere Kinoreihe am 27. November. Der achtjährigen Meral fällt es nach dem Umzug in eine neue Stadt nicht leicht, Anschluss in der Schule zu finden. Bis sie Freundschaft mit einer Maus schließt, die schnell zum Schlüsselfür neue Kontakte wird. Erst, als eine Eule sich den Mäuserich schnappt, beginnt die heile neue Welt zu wanken. Gemeinsam mit ihren neuen Freunden geht Meral auf eine Suche nach dem Nager, die am Ende vor allem eines zu Tage fördert: Die wahre Bedeutung von Freundschaft. Auch dieser Film startet 16:30 Uhr. (Altersempfehlung ab 6 Jahren)

Für Spannung und Popcorn ist gesorgt! Der Eintritt zu den Filmen ist frei. Aufgrund einer begrenzten Zahl an Plätzen ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Tel.: 0341 / 123 5255
E-Mail: bibliothek.gohlis@leipzig.de

Die Anmeldung für LeipzigPass-Inhaber ist ermäßigt. Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 19. Lebensjahr können die Bibliothek kostenlos nutzen.