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Die Huygensstraße 1

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Nachdem die westlich der Kaserne an der jetzigen Georg-Schumann-Straße gelegene Gärtnerei Wagner ihren Betrieb aufgegeben hatte, wurde das Grundstück entsprechend dem geltenden Bebauungsplan parzelliert. Der Leipziger Architekt und Bauunternehmer Curt Laux erwarb 2 Parzellen für ein großzügiges Eckgrundstück und stellte im Februar 1912 den Bauantrag für ein „Eckhaus mit Kinematographentheater und Galerieladen“ sowie mit drei darüber befindlichen Wohnetagen. Wenig später stellte er den Änderungsantrag, statt eines Ladens einen „Erfrischungsraum für Parkett und Galerie“ einzurichten.

Curt Laux war ein seit mehreren Jahren tätiger Vertreter der sog. Reformstil-Architektur, die sich auch an diesem Bauwerk ausprägt. Die Hauptfront der Putzfassade ist nach dem Platz mit der ehemals dort befindlichen Wendeschleife der Straßenbahn ausgerichtet. Insgesamt 10 aufstrebende Lisenen gliedern die Front. Sie tragen unterhalb des Daches ganz individuell ausgestaltete Frauenköpfe. Die übrige architektonische Ausschmückung ist sehr zurückhaltend.

Im weiteren Bauablauf errichtete Laux ohne Genehmigung ein ausgesprochen wuchtiges Dach, das über mehrere Etagen verfügte. Dieses Dach entsprach nicht den geltenden Bauvorschriften. Die Stadtverwaltung verlangte den sofortigen Abriss, der jedoch wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit (das Haus war inzwischen vollständig vermietet) ausgesetzt wurde.

Im Sommer 1913 wechselten die Besitzer, die nun verlangten, dass Laux für den Dachabriss verantwortlich gemacht werden sollte. Damit verzögerte sich der gerichtlich festgesetzte Termin weiter. Der Prozess gegen Laux entfiel letztlich wegen des Kriegsausbruchs am 28.07.1914. Das Dach blieb erhalten.

Der Kinosaal befand sich entlang der Südfassade, seine Höhe entsprach zwei Geschossen. Auch das daneben befindliche Restaurant besaß zwei Etagen. Damit war die Versorgung der Besucher des am 28.11.1912 eröffneten Kinos gesichert. Allerdings gab es ständigen Streit wegen des Lärms der Motoren, die die für das Kino benötigte Elektrizität produzierten. Erst 1925 lieferte die Leipziger Energie-AG die benötigte Elektroenergie.

Anfangs wechselten die Hausbesitzer und die Kinobetreiber häufig. Das änderte sich ab 1920, als Max Beyreuther das Café Kasino eröffnete, und 1921 der Schwede Rudolf Hovander das Grundstück erwarb und den Betrieb des Kinos übernahm.

1927 baute Beyreuther eine Reihe von Dachkammern als Wohnung aus, die weiterhin bestand, auch als er wieder in die untere Etage gezogen war.

1934 ging Hovander zurück nach Stockholm, das Grundstück wurde zwangsversteigert. Der neue Besitzer, der Leipziger Kaufmann Otto Lippold, lässt sich bis 1943 nachweisen.

Die Konditorei Beyreuther, ab 1940 von seiner Witwe Gertrud Beyreuther geführt, existierte bis in die 1950er Jahre.

Das Kino ging 1949 als „Olympia-Lichtspieltheater“ in städtische Verwaltung über. 1958 wurde der Saal renoviert und auf Breitwand umgestellt. Allerdings rettete das nicht vor der Schließung des Kinos. Nun aber kam es zu dem Glücksfall, dass der Leipziger Blinden- und Sehschwachenverband ein Kulturzentrum eröffnen wollte. Er übernahm 1965 die beiden unteren Etagen komplett und gestaltete sie nach seinen Bedürfnissen um. Für das Gebäude selbst fehlte es an der notwendigen Instandhaltung, es wurde mehr und mehr zu einer Ruine.

Im Februar 2018 begann zur allgemeinen Überraschung die Rekonstruktion des Gebäudes, wobei eine Vereinfachung des Dachaufbaus vorgenommen wurde. 2020 öffnete an der Front zur Georg-Schumann-Straße der „Kabul-Star Supermarkt“, der mit „Spezialitäten aus arabischen Ländern“ wirbt und sich gern intensiv über den Fußweg ausbreitet.

Text: Ulrike Kohlwagen