Die Gärtnerei Wagner
Wenn wir die anfänglichen Gegebenheiten des früheren Dorfes Möckern betrachten, so fällt auf, dass die Felder komplett nördlich der Hallischen Chaussee (der jetzigen Georg-Schumann-Straße) lagen, wobei sie nach Wiederitzsch zu ziemlich kräftig anstiegen. Die 1840 in Betrieb genommene Eisenbahn Leipzig-Magdeburg führte quer über die Felder und teilte einen unteren Abschnitt ab. Anfangs wurde auf diesen Abschnitten weiterhin Ackerbau betrieben, aber bald schon nutzte man das Land weitgehend für andere Zwecke. Es entstanden erste Häuser und eine Ziegelei. Im Jahr 1866 kaufte Johann Gottlob Beyer zwei Feldparzellen und legte eine sog. „Kunst- und Handelsgärtnerei“ an. Diese Gärtnereien, die es in der Leipziger Umgebung in großer Zahl gab, versorgten die Stadt mit den notwendigen Erzeugnissen.
1873 erwarb der Gohliser Gärtnereibesitzer August Albert Wagner das Grundstück und legte eine Baumschule an. 1875 baute er an der Chaussee, etwa in Höhe der jetzigen Huygensstr. 1, ein Wohnhäuschen, in dem dann sein Obergärtner Arno Lehmann wohnte, der den Betrieb der Gärtnerei managte.
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Zur damaligen Zeit war es Mode geworden, bei Beerdigungen Palmzweige als Schmuck und letzten Gruß aufzulegen. Da der Import sehr aufwändig war, ging Wagner einen neuen Weg: er baute Gewächshäuser, in denen er mit Erfolg Palmen wachsen ließ. Bei der Erteilung der Baugenehmigung wurde er angewiesen, die Essen in gehöriger Höhe aufzuführen, denn die Gemeindeverwaltung hatte bereits mehrfach schlechte Erfahrungen mit zu niedrigen Schornsteinen gemacht.
In den 1890er Jahren war es allerdings mit dem erfolgreichen Absatz der Palmzweige vorbei, denn nun stellte man sie industriell aus Textilmaterial her und bot sie weit billiger an. Es blieb zwar noch die Baumschule, doch das war wohl finanziell nicht mehr befriedigend.
Inzwischen war für das Möckernsche Gebiet zwischen der Hallischen Straße und der Magdeburger Eisenbahn nach langen und zähen Bemühungen ein Bebauungsplan aufgestellt worden, nach dessen Vorschriften die Parzellierung vorgenommen werden sollte. Das war der Anlass für Wagner, 1911 den Möckernschen Gartenbetrieb aufzugeben. Sein Obergärtner Arno Lehmann zog um nach Gohlis in die Hallische Straße 50-54 (jetzt Georg-Schumann-Straße), wo er sich um die dortige Kunst- und Handelsgärtnerei Wagner kümmerte. Einige Jahre später ging er in den Ruhestand.
In Möckern wurden die Baulichkeiten der Gärtnerei abgerissen, es entstanden auf dem Gelände die heutige Huygensstraße, der obere Abschnitt der Seelenbinderstraße, der östliche Teil der Yorckstraße und der ehemalige kleine Platz mit der Wendeschleife der Straßenbahn, der jetzige Huygensplatz.
Text: Ulrike Kohlwagen