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40 Jahre nach dem Mord an Sylke Müller: Ein Leipziger Fall bleibt ungeklärt

Am 23. März jährt sich der Mord an Sylke Müller zum 40. Mal. Der Fall gilt bis heute als ungeklärt. Während das öffentliche Interesse über die Jahrzehnte abnahm, beschäftigen sich Angehörige, frühere Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Anwohner aus dem Leipziger Nordwesten weiterhin mit den Ereignissen des Frühjahrs 1986.

Der 22. März 1986, ein Freitag, war zugleich der letzte Tag der Leipziger Frühjahrsmesse. In der Stadt herrschte ausgelassene Stimmung: volle Straßen, gut besuchte Lokale und zahlreiche Tanzveranstaltungen prägten das Bild. Am Nachmittag dieses Tages besuchte die 17-jährige Sylke Müller einen jungen Mann, mit dem sie zuvor eine Beziehung geführt hatte. Sie traf ihn stark alkoholisiert und nicht ansprechbar an und verließ die Wohnung enttäuscht. Anschließend fuhr sie zu ihrer Großmutter nach Böhlitz-Ehrenberg. Dort verbrachte sie den Nachmittag, sprach über das Ende der Beziehung und aß gemeinsam mit ihr Eierkuchen – ein Detail, das später bei der zeitlichen Eingrenzung des Todes eine Rolle spielte.

Am Abend begleitete die Großmutter ihre Enkelin zur nahegelegenen Bushaltestelle in der Nähe der heutigen evangelischen Kirche am Johannes-Weyrauch-Platz und bat sie ausdrücklich, nicht durch den angrenzenden Wald zu gehen. Wie mit ihren Eltern verabredet, fuhr Sylke anschließend zum Jugendclub Mockau, nahe dem heutigen Kletterturm, um dort an einer Tanzveranstaltung teilzunehmen.

Gegen Mitternacht verließ sie den Club. Ein Türsteher begleitete sie durch den Park zur Bushaltestelle an der Mockauer Post und wartete, bis sie in die Buslinie W einstieg. Auf dem Heimweg, im Bereich der Haltestellen „Am Zuckmantel“ oder „Haus Auensee“, traf Sylke Müller auf ihren späteren Mörder. Als sie am folgenden Tag nicht nach Hause zurückkehrte, meldeten ihre Eltern sie bei der Volkspolizei als vermisst. Die Anzeige wurde zunächst nicht mit der nötigen Dringlichkeit behandelt. Erst nach mehreren Tagen begannen intensivere Suchmaßnahmen, unterstützt durch Suchanzeigen in der Leipziger Volkszeitung.

Fünf Wochen später entdeckte ein Anwohner die Leiche einer jungen Frau in einer Werkstatttoilette hinter dem Wahrener Rathaus. Es handelte sichum Sylke Müller. Der Finder geriet zunächst selbst in den Fokus der Ermittlungen, konnte jedoch durch ein Alibi entlastet werden. Auch weitere überprüfte Personen erwiesen sich als unverdächtig.

Trotz umfangreicher Ermittlungen gelang es nicht, einen Täter zu identifizieren. Unklar ist bis heute, ob Beweismittel verloren gingen oder vernichtet wurden. Die Tat hatte schwerwiegende Folgen für die Familie. Sylkes Mutter erkrankte in den Jahren nach dem Mord schwer und nahm sich 1996 das Leben. Auch im Umfeld der Jugendlichen hinterließ das Verbrechen tiefe Spuren.

Sylke Müllers Grab befindet sich auf dem Gohliser Friedhof in Leipzig. Der Fall steht bis heute exemplarisch für ungelöste Gewaltverbrechen – und für die offenen Fragen nach Aufklärung und Erinnerung

Text: Nora Müller, bearbeitet von Michael Schmidt / Foto: Nora Müller, privat