Unsere Apelsteine und das Kugeldenkmal von Möckern – Stumme Zeugen der Völkerschlacht
Wer heute durch den Leipziger Nordwesten spaziert, begegnet an Straßenrändern und auf Grünflächen unscheinbaren, doch geschichtsträchtigen Granitsteinen. Die sogenannten Apelsteine erinnern an die heftigen Kämpfe, die während der Völkerschlacht im Oktober 1813 in und um Möckern tobten. Kaum ein anderer Stadtteil Leipzigs macht die historischen Ereignisse so unmittelbar sichtbar.
Die Steine gehen zurück auf den Leipziger Kaufmann und Mäzen Theodor Apel, der zwischen 1861 und 1865 insgesamt 44 von diesen im Gelände aufstellen ließ. Jeder der nummerierten Apelsteine markiert einen historisch belegten Standort einer Truppenbewegung, eines Gefechts oder eines Kommandopostens. Zwei dieser Steine – die Nummer 17 und 25 – ebenso wie das Kugeldenkmal befinden sich in Möckern und dokumentieren die erbitterten Kämpfe zwischen französischen und preußisch-russischen Verbänden am 16. Oktober 1813.
Historische Orientierungspunkte im Stadtbild
Der Granitstein Nr. 17 markiert die Stellung von General Lagrange und seiner 2. französischen Division bei der Schlacht um Möckern. Er befindet sich seit 1862 auf der nordöstlichen Straßenseite der Georg-Schumann-Straße, vor der Hausnummer 206. Der Apelstein Nr. 25 markiert die Position des Marschalls von Frankreich Auguste-Frédéric-Louis Viesse de Marmont, Herzog von Ragusa und seinen Truppen. Er befindet sich im westlichen Winkel der Einmündung der Seelenbinderstraße auf die Georg-Schumann-Straße.
Das Kugeldenkmal vor der Auferstehungskirche in Möckern erinnert an die Schlacht um Möckern am 16. Oktober 1813 während der Völkerschlacht. Das Denkmal steht auf einem Sandsteinblock und ist mit Inschriften zu den beteiligten Truppen und Generälen wie Blücher und York versehen sowie mit vier Geschützkugeln an den Ecken und einer größeren Geschützkugel in der Mitte. Es wurde ursprünglich bereits 1850 eingeweiht und später mehrmals versetzt, bevor es 1903 seinen heutigen Standort vor der Auferstehungskirche in der Georg-Schumann-Straße 198 in Möckern er-
hielt.
Bedeutung für Leipzigs Erinnerungskultur
„Die Apelsteine sind ein einzigartiges Freilichtdenkmal. Sie erzählen Geschichte dort, wo sie tatsächlich stattgefunden hat“, sagt ein Sprecher des Stadtgeschichtlichen Museums. Mehr als 200 Jahre nach der Völkerschlacht erinnern die Steine daran, dass Leipzigs Stadtteile einst Schauplätze europäischer Geschichte waren. Die Apelsteine von Möckern sind dabei mehr als nur Denkmäler – sie sind Wegmarken gegen das Vergessen.
Für viele Leipzigerinnen und Leipziger sind die Apelsteine ein fester Bestandteil ihres Viertels, doch ist ihnen ihr Ursprung oft unbekannt. Wir als Bürgerverein Möckern-Wahren bemühen uns in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtbezirksbeirat Nordwest um die Sichtbarmachung und Pflege dieser historischen Denkmäler.
Bürgerschaftliches Engagement gefragt – Pflegepatenschaften für Apelsteine gesucht
Damit die historischen Apelsteine auch künftig sichtbar bleiben, setzt die Stadt vermehrt auf das Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger. Viele der Steine sind über 150 Jahre alt, stehen im öffentlichen Raum und benötigen regelmäßige Pflege: Dazu gehören das Entfernen von Bewuchs, das Freihalten der Inschriften sowie kleine Reinigungsarbeiten oder das Melden von Schäden. Einzelpersonen, Familien, Schulklassen oder Vereine können Patenschaften für einen Stein übernehmen. „Jeder Apelstein hat seine eigene Geschichte – und jeder Pate trägt dazu bei, dass diese
Geschichte nicht verloren geht,“ betont eine Sprecherin des Kulturamtes. Die Patenschaften sind ein niedrigschwelliger Beitrag zum Denkmalschutz und stärken zugleich die Identifikation der Menschen mit ihrem Stadtteil. Deshalb haben auch Kornelia Mucke, Mitglied des Stadtbezirksbeirates Nordwest, sowie Rick Ulbricht MdL, Vorsitzender des Bürgervereins Möckern-Wahren, sich zur Übernahme der Patenschaft für den Lagrandestein Nr. 17 entschlossen. Auf diesem Wege möchten wir auch interessierte Anwohnerinnen und Anwohner für „ihren“ Apelstein begeistern.
Text/Foto: Kornelia Mucke und Rick Ulbrich